Playstation tötet physische Spiele, aber warum?

Vermutlich habt ihr es alle schon mitbekommen: Playstation hat angekündigt, dass sie ab Januar 2028 keine Disc mehr für ihre In-House-Games produzieren werden. Das bedeutet, dass First-Party-Titel ab dann nur noch digital erhältlich sein werden. In Geschäften wird es dann nur noch Hüllen geben, in denen ein Code enthalten sein wird. Warum das ein Problem ist, was Leute nicht begreifen, wenn sie sagen „Also ich spiele eh nur Digital“ und warum Sony diesen Schritt hier geht: Darum geht es in diesem Artikel und falls ihr lieber ein Video dazu sehen möchtet, dann könnt ihr dies auf meinem YouTube-Kanal tun:

Was viele nicht verstehen

Ja, ich weiß schon, was es für Kommentare geben wird:

  • „Wir haben 2026! Wer spielt noch Games auf Discs?“
  • „Die meisten Spiele brauchen eh Patches um zu funktionieren.“
  • „Auf dem PC ist das doch genauso und niemand beschwert sich dort!“

Und genau diese Aussagen möchte ich hier eben entkräften.

Als Erstes: Es spielen noch sehr viele Leute ihre Games auf physischen Datenträgern. Die Nintendo Switch ist bis heute ein Garant für physische Videospiele. Auch auf anderen Konsolen ist die Nachfrage da, weil warum sonst sollte Sony ein externes Laufwerk für ihre laufwerklose Playstation 5 „All-Digital“ anbieten? Dieses Laufwerk war zeitweise sogar ausverkauft, was den Andrang danach verdeutlicht.
Und selbst auf Plattformen, in denen es laufwerklose Varianten zu einem günstigeren Preis gibt, was es zur Playstation 4 zum Beispiel nicht gab, liegen die Anteile der physischen Verkäufe weitaus höher, als viele vermuten.

So wurde Ghost of Yotei zu fast 40 % physisch verkauft und die Gründe dafür liegen auf der Hand: Ein Game, das ich im Regal habe, kann mir nicht weggenommen werden. Ich bin nicht auf Server angewiesen (denn nein, nicht „fast alle“ Spiele brauchen einen Patch, es sind die allerwenigsten), um meine Games zu spielen, und wenn mir ein Game nicht gefällt, kann ich es wiederverkaufen. Ich kann dementsprechend physische Spiele auch gebraucht kaufen und Geld sparen.

Eine gar nicht so richtige Studie, vom Game-Verband aufgegriffen

Wenn Studien verpfuscht werden

Doch woher kommt der Gedanke, fast alle würden eh digital-only unterwegs sein? Der Verband der deutschen Games-Branche schrieb zum Beispiel, dass 68 % aller Spiel-Verkäufe auf PC und Konsole digital stattfinden. Was hier aber verschwiegen wird, ist die Tatsache, dass Digital-Only-Games wie zum Beispiel Alan Wake 2 oder Hellblade 2 miteinbezogen werden, was den Wert künstlich in die Höhe treibt. Natürlich kaufe ich mir Alan Wake 2 nicht physisch, wenn ich es nicht physisch kaufen kann.

Des Weiteren wird hier der PC mit den Konsolen in einen Topf geworfen, was die Zahlen ebenfalls manipuliert. Der physische Markt auf dem PC ist tot, das müssen wir nicht schönreden. Die wenigsten PCs haben überhaupt noch ein Laufwerk für Discs und die meisten PC-Games werden nur noch als „Code in the Box“ in Läden verkauft. Diesen Zustand mit dem Konsolen-Markt zusammenzuwerfen, ist, als würde man auch die Verkaufszahlen von Games auf Smartphones dazuzählen.

Da kommen wir auch direkt zum nächsten Punkt: Digital-Only ist auf dem PC bereits etabliert, aber da beschwert sich keiner, oder? Korrekt. Und der Grund ist eigentlich ziemlich naheliegend: Auf dem PC habe ich nicht nur eine einzige Store-Front, ich habe Optionen.

Der PC bietet viele Optionen, die Konsolen nicht

Der Unterschied zum PC

Wer eine laufwerklose Playstation 5 nutzt, kann seine Spiele ausschließlich im Playstation Network kaufen. Einer Storefront, die ausschließlich von Sony betrieben wird und damit ein Monopol darstellt. Dir gefällt das Angebot für Assassin's Creed Black Flag für 60 € nicht? Pech, woanders kannst du es dir eh nicht kaufen.
Auf dem PC kannst du das Spiel auf Steam kaufen, musst es aber nicht. Key-Seller, alternative Store- Fronts und dergleichen ermöglichen es Spielern, sich stets das beste Angebot zu sichern. Auf Konsolen geht das nur mit physischen Spielen, ohne einmaligen Code-in-the-Box.

Und hier haben wir dann auch den Grund, warum Sony das Aus der physischen Spiele anstrebt, denn wenn sie ein Monopol auf alle Playstation-Spiele-Verkäufe haben, dann können sie ihre Gewinnmargen weiter in die Höhe treiben. Wer dann nämlich eine Playstation 5 nutzt, der kann seine Games nur noch von Sony kaufen oder sich einen Code-in-the-Box holen, der sich nicht mal zum Weiterverkauf eignet. Und wer würde dafür dann schon aufstehen und in einen Laden dackeln, wenn es einem eh nichts bringt?
Diese Monopolstellung ist aber auch brandgefährlich für Sony und Microsoft, denn die meisten Verbraucherschützer und Wettbewerbsministerien reagieren sehr giftig auf Monopole und könnten die Hardware-Hersteller mit Gesetzen und empfindlichen Strafen dazu bringen, andere Store-Fronts auf den Konsolen zuzulassen.

Laut den neusten Gerüchten rund um Xbox Helix, der neuen Xbox-Generation, arbeiten sie auch schon daran, Steam auf der Konsole zu etablieren, was den Monopol-Vorwurf für die Xbox entkräften könnte. Sony selber scheint daran aber kein Interesse zu haben, denn ihre Bestrebungen, ihre Games auf den PC zu bringen, wurden allem Anschein nach verworfen, als Microsoft intern bestätigte, Steam auf der Konsole zu nutzen, was Playstation-Spiele auf der Xbox spielbar machen würde. So nachvollziehbar dieser Grund auch sein mag, helfen gegen den Monopol-Vorwurf wird das aber nicht. Genauso wie das Ende der physischen Medien.

Update:

Laut einem Internen-Bericht scheint Microsoft ihre Pläne für eine Steam-Integration verworfen zu haben. Grund dafür seien die hohen Hardwarekosten und die mit einer Steam-Integration einhergehende Reduzierung der Gewinnmarge, um die Subventionierung der Hardware zu rechtfertigen. Offiziell bestätigt wurde noch nichts.

So oder so: Wir können uns sicher sein, dass der Grund von Playstation, die Discs abzusägen, kein Vorteil für die Spielerinnen und Spieler ist, sondern sich ausschließlich an die Investoren von Sony richtet. Die Playstation hat einen gewaltigen Marktanteil im Gaming und wenn Sony dort ein Monopol, nicht nur für die Hardware, sondern auch für die Software etablieren kann, steht ihnen nichts im Wege, die Kosten der Spiele immer weiter in die Höhe zu treiben.

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