Wie WARFRAME den Grind übertreibt!

Warframe ist Grind. Wer eine angenehme, vielleicht sogar Story-fokussierte Erfahrung mit dem Free-to-Play-Spiel aus dem Hause Digital Extremes sucht, erlebt hier nur einen Bruchteil vom Potenzial des Games. Hier überzeugt vor allem das Gameplay: die Kämpfe, das Missionsdesign, die Unterschiede, wie sich Warframes spielen. Das motiviert ungemein und ist die größte Stärke vom Game. Doch hier gibt es auch ein Problem und wer möchte, kann sich diesen Artikel ganz bequem auf meinem YouTube-Kanal als Video ansehen:

Inhalt vs. Aufwand

Jedes Live-Service-Game muss Inhalte liefern, gleichzeitig steigen aber auch die technischen Anforderungen an die Entwickler. Neue Technologien wollen integriert, Updates der Engine implementiert und Standards der Industrie erreicht werden, was den Entwicklungsprozess verlängert. Daher ist Grind, das stetige Wiederholen von ein und demselben Inhalt, oft die Lösung, um etablierte Inhalte zu strecken und mehr Zeit für die Entwicklung neuer Inhalte zu bekommen.
Doch während das Recycling von Inhalten für den Entwickler ein großer Vorteil ist, kann es für Spieler zur Tortur werden: Langeweile durch die immer gleichen Inhalte.

Bekannte, bereits erlebte Inhalte so spaßig zu gestalten, dass man sie wieder und wieder erleben kann, ohne sich zu langweilen, ist dabei das schwierigste Kunststück, das ein Entwickler meistern muss. Und der einfachste Weg, das zu erreichen, ist: Motivation.
Den Spieler zu motivieren, dieselben Inhalte immer wieder zu spielen, das ist am Ende das Ziel von Content- und Game-Designern in Live-Service- und generellen Grind-Games. Und diese Motivation im Spieler zu entfachen, ist dabei gar nicht so einfach.

Wege für Motivationen sind zum Beispiel:

  • Spaßiges Gameplay
  • Externe Motivationen (Freunde mit denen man zusammenspielt)
  • Interne Motivationen (Battlepass, In-Game Events etc.)
  • Sunk-Cost-Fallacy ("Ich habe schon Geld ausgegeben, also spiele ich es weiter, damit es sich lohnt.")

In den meisten Fällen gelingt das durch hervorragendes Gameplay. In Diablo und Path of Exile stört die meisten Spieler das Grinden nicht, da das Vernichten ganzer Gegnerhorden durch das Build-Craften, die Effekte und die Taktiken unfassbar spaßig ist. In Warframe ist das genauso. Wir springen in waghalsigen Manövern durch die prozedural generierten Maps, töten Gegner mit mächtigen Waffen und Fähigkeiten und genießen ein einzigartiges Sci-Fi-Universum. Hier macht das Grinden Spaß, weil das Gameplay Spaß macht. Würde sich Warframe nicht so großartig spielen, wie es das tut, ja dann würden die Spieler den Grind nicht ertragen, was die gelieferten Inhalte in ihrer Lebenszeit verkürzt und die Entwickler zu mehr und schnelleren Updates zwingen würde.

Jade Shadow: Wo Digital Extremes übertrieben hat

Jade Shadow: ein Paradebeispiel, wie man es nicht machen sollte

Dabei gibt es eine direkte Verknüpfung zwischen der Qualität des Gameplays und der Menge an Grind, die der Spieler über sich ergehen lassen kann, bevor es ihm sauer aufstößt: Je besser das Gameplay, desto heftiger kann auch der Grind sein. Also könnte man meinen, wenn man sich das Gameplay von Warframe ansieht, dass diese Grenze, ab wann die Menge an Grind die Qualität des Gameplays überschattet, kaum zu erreichen ist. Aber das Update „Jade Shadow“, zu dem ich eine Review erstellt habe, welche ihr hier finden könnt, hat diese Grenze für mich und meinen besten Freund leider erreicht.

In Jade Shadow bekommen die Spieler einen neuen Modus: „Ascension“. Wir müssen einen Fahrstuhl mit Energie versorgen, indem wir Gegner killen und die dazugehörige Energie im Level einsammeln. Doch wo ist das Problem? Erinnert ihr euch noch, was ich zum Gameplay von Warframe sagte? „Wir springen in waghalsigen Manövern durch die prozedural generierten Maps, töten Gegner mit mächtigen Waffen und Fähigkeiten und genießen ein einzigartiges Sci-Fi-Universum.“ Und genau da reißt der Ascension-Modus eine klaffende Wunde in das Gameplay von Warframe.

„We have to respect the player's time and money.“ - Steve Sinclair, damaliger Game-Director von Warframe

Der Fahrstuhl fährt in einem sehr, sehr langen Tunnel sehr, sehr langsam hinauf und um diesen Tunnel herum gibt es mehrere kurze Etagen, wo sich die Gegner und die Energiezellen für den Fahrstuhl aufhalten. Stellt es euch wie eine Spirale vor, welche wir hinaufgehen. Eine sehr, sehr lineare Spirale. Keine Abzweigungen, keine Secrets. Nichts. Einfach nur sich windende Tunnel.

Der Grind für Dante zeigt, dass der Entwickler es eigentlich kann.

Wenn das Gameplay von Warframe beschnitten wird

Uns bringt das großartige Movement, für welches Warframe bekannt ist, hier kaum etwas, eben weil das Level nur aus Tunneln besteht. Außerdem zieht sich die Mission unfassbar lang, da der Fahrstuhl der Taktgeber der ganzen Mission ist. Solange er nicht oben ist, können wir nicht weiter. Und so zieht sich eine unfassbar öde Mission mit sehr schlechtem Level-Design gefühlt ins Unendliche und … wofür? Für den Warframe Jade und ihre 3 Waffen.

Um Jade und die Waffen freizuschalten, brauchen wir eine Ressource, die wir durch das Abschließen der Mission bekommen. Im normalen Modus so um die 15-20 Stück. Um Jade aber freizuschalten, brauchen wir 450 Stück. Wollen wir dann auch ihre 3 Waffen, dann brauchen wir 1.350. Wenn wir dann noch die Arkana aus dem Update möchten, ja, dann steigt die Summe sogar noch mehr.

Gehen wir vom Worst-Case aus und bekommen keine der Blaupausen durch die Mission selbst, was eben nicht garantiert werden kann, weil die Drop-Chance nur bei 5 % liegt, und nehmen wir den Mittelwert der bekommenen Ressource, benötigen wir knapp 90 Durchgänge dieser Mission, um alles freizuschalten. (Oder 45 im Steelpath-Modus).

So ungefähr stelle ich mir die Grind-Motivations-Beeinflussung vor.

90 Durchgänge einer Mission, die durch ihr Level- und Game-Design der Motivation für den Grind in den Kopf schießt. Die Mission macht keinen Spaß, das Gameplay kann sich hier nicht entfalten und dadurch versiegt die Motivation, Warframe weiterzuspielen, wenn man, wie ich, unbedingt Jade und ihre Ausrüstung haben will und alles aus einem Update erleben möchte.

Hier wurde die erwähnte Grenze an Langeweile durch Grind, die durch das Gameplay abgefedert werden kann, massiv überschritten, indem das Gameplay massiv beschnitten wurde. Wer den Grind halbwegs erträglich haben will, muss entweder Glück beim Drop in den Missionen haben oder zur Premium-Währung „Platinum“ greifen. Und auf Besserung müssen wir gar nicht erst hoffen, denn das Jade-Shadow-Update ist bereits 2 Jahre alt.

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